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Montag, 16.06.2014, 21:32

Interview mit Seli Kraus

Von Krimi- und Drehbuchautorin Jennifer B. Wind liest, talkt und rezensiert für mywoman.at

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http://www.woman.at/mywoman/static/usericons/uicn12959.jpgLiebe Leser/innen,

weiter geht es mit einer Autorin, die einen so genannten Anti-Liebesroman geschrieben und veröffentlicht hat. Was das bedeutet, worum es geht, was die Autorin von der Liebe hält und sonst noch plant, erfährt ihr in diesem Interview.


Die Autorin wurde 1963 in Mönchengladbach geboren und lebt seit Jahren in Düsseldorf. Sie schreibt seit ihrer Jugend und hat schon früh ihre Liebe zum Roman entdeckt. Aktuell verfasst sie Kurzgeschichten für diverse Zeitschriften. Ihr erster Roman „Die Zuckerbläserin“ erschien im Dezember 2013 als Taschenbuch und E-Book im bookshouse Verlag.

Aber nun viel Spaß beim Interview!


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(Cover: © Bookshouse Verlag)


Liebe Seli, danke, dass du dir Zeit genommen hast, mir ein paar Fragen zu beantworten. Dein erster Roman „Die Zuckerbläserin“ ist im Bookshouse Verlag erschienen. Was ist eine Zuckerbläserin?
Eine Zuckerbläserin ist eine Frau, die zu sehr liebt. Ohne eine Beziehung ist sie nicht ganz, ihr fehlt etwas. Sie hat ein Ideal von der perfekten Liebe vor Augen, sucht den Partner nur danach aus und wird zwangsläufig enttäuscht. Das will sie irgendwann nicht mehr und denkt, wenn sie jetzt selbst die Zügel in die Hand nimmt, wird endlich alles so, wie sie es verdient hat. Natürlich geht das niemals gut, aber ein wenig davon steckt in den meisten von uns auch. Wer hat noch nie bei sich selbst, oder wenigstens im Freundeskreis erlebt, wie Menschen, die man als selbstbewusst und eingenständig kennt, sich plötzlich durch die Liebe total verändern. Dinge tun, über die man nur den Kopf schüttelt. Eifersüchtig und besitzergreifend werden, den Partner unter keinen Umständen verlieren wollen, oder alles daran setzen, einen Maßgeschneiderten im Internet zu finden. Gott sei Dank wachen die meisten von uns irgendwann wieder auf und kommen auf den Boden der Realität zurück, aber es gibt auch die Anderen, denen das nicht gelingt.


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(Die Autorin in der Presse; © Seli Kraus)


Bei deinem Roman wusste ich beim Lesen oft nicht, welches Genre hier bedient wird. Liebesroman, Krimi, Satire, heitere Frauenlektüre, irgendwie ist von allem was dabei. Als was siehst du deinen Roman?
Die Zuckerbläserin ist ein Anti-Liebesroman mit satirischen Zügen. Er zeigt natürlich komisch überspitzt, wie man es am besten nicht macht, wenn man eine glückliche Beziehung will. Jeder von uns hat schon tausend Mal gelesen, was man tun muss, damit die Liebe glücklich wird, aber paradoxerweise gelingt es den wenigsten. Die Zuckerbläserin gibt der anderen Seite der Liebe ein Gesicht und möchte gern, dass wir das Tragische an der Liebe mit ein wenig Humor betrachten.



Du hast vorher Heftromane geschrieben. Ist dieser Umstand schuld daran, dass du es gewohnt bist kurz zu fassen und „Die Zuckerbläserin“ deshalb wenige Seiten umfasst?
Ich habe zwar früher mit meinem Bruder schon Heftromane verfasst, aber das hat nichts mit der Kürze zu tun. Die Zuckerbläserin ist eine Icherzählung und fokussiert sich wirklich nur auf das große Problem im Leben der Gilla Beckstein.



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(Der Arbeitsplatz der Autorin; ©Seli Kraus)

Du schreibst auch True Stories. Wie wählst du diese aus?

Ich wollte schon seit meiner Jugend am liebsten die Kummerkastentante in einer Zeitschrift sein, nach dem Motto: „Fragen Sie Frau Monika“. Mich haben die Probleme und die Schicksale der ganz normalen Leute von jeher fasziniert. Ich schreibe viele Lebensgeschichten für Zeitschriften und ich recherchiere immer aus wahren Begebenheiten. Auch die Geschichte der Zuckerbläserin hat einen realen Hintergrund. Was in unserem Leben passiert, ist meine Inspiration.



Pilze spielen im Roman eine große Rolle. Hast du ein Faible für Pilze und sammelst und isst du sie gern?
Ehrlich gesagt, ich mag Pilze überhaupt nicht. Ich esse sie nur hin und wieder, wenn mein Mann mal welche kocht. Er isst sie sehr gern. Die Pilze sind eine eher sanfte und harmlose Waffe, die Gilla nutzt, um ihren Mann am Ausgehen zu hindern. Sie liebt ihn ja und will ihm nicht ernsthaft schaden, sieht aber keinen anderen Ausweg.



Thema in deinem Roman: Viele Frauen (und einige Männer) wollen ihren Partner verändern. Wieso ist das so? Warum nicht gleich einen Partner nehmen, den man so liebt wie er ist?
Ich habe einen Lieblingsspruch zur Liebe:
Wenn du ihn liebst, dann lass ihn gehen, denn wenn er dich ehrlich liebt, dann wird er frohen Herzens zu dir zurückkehren.
Das wollen wir alle, davon träumen wir aber wir nehmen uns nicht die Zeit, auf den Richtigen zu warten. Wir sind nun mal nicht gern allein. Wir sind zwiespältige Wesen mit vielen Facetten und ich liebe die romantische Seite genauso wie die egoistische, die uns dazu verleitet, den Partner zu manipulieren, damit er für uns gut ist. Das gibt keiner gern zu, weil es unsympathisch ist, aber Millionen Menschen gucken auch Sendungen wie „Dschungelcamp und Co.“ im Fernsehen und keiner will es gesehen haben. Ich finde es sympathisch, auch mal zu den nicht so schönen Gefühlen zu stehen, sich zu verstellen kann anstrengend sein.


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(Die Autorin mit ihrem Partner; © Seli Kraus)

Wie viel Zuckerbläserin steckt eigentlich in dir?

Ich habe nach vielen Jahren und diversen Beziehungen endlich den Partner gefunden, der wirklich zu mir passt. Irgendwann habe ich mir gesagt, ich warte jetzt bis es passt, das hat gedauert. Auch ich habe ganz schön oft versucht, mir die Liebe zurechtzubiegen, habe mich zum Affen gemacht und gedacht: Ich meine es doch nur gut, warum kann der Andere das denn nicht verstehen? Warum werde ich zum Dank dafür, dass ich alles für ihn getan habe jetzt auch noch betrogen?
Wahrscheinlich habe ich unter dem Deckmäntelchen der Liebe zu sehr an mich gedacht. Am Ende musste ich immer einsehen, dass es nicht der Richtige war (oder ich nicht die Richtige), aber bis ich das erkannt habe, habe ich so manches Mal ordentlich gelitten.




Was ist in Zukunft noch von dir zu erwarten? An was arbeitest du zur Zeit?
Ich arbeite zurzeit an einem Liebesroman, in dem wieder die Liebe die Betroffenen verrückt spielen lässt. Er spielt im Frankfurter Börsenmilieu, Begehren, Gier und Eifersucht sind mit von der Partie und ein wenig Satire darf nicht fehlen. Diesmal allerdings ein echter Liebesroman, wesentlich länger und keine Icherzählung.



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(Die Autorin am Oktoberfest © Seli Kraus)

Was gibt dir Kraft.

Mein unerschütterlicher Glaube an das Gute im Menschen, mein Schatz natürlich und das große Glück, dass ich eine Arbeit machen darf, die ich sehr liebe.



Welche Dinge würdest du niemals in deinem Leben ändern wollen?
Meine Neugier auf die Geschichten der Menschen, mein Tick, jedem helfen zu wollen und mein Leben mit meinem Schatz.

 

 

Das komplette Interview© by Jennifer B. Wind




 

 

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